09.04.2014: Kultursalon – Premiere im „Spaßverein“

home_pur37In der Frühjahres-Ausgabe 2014 der PUR – das Magazin der Region ein Artikel von mir erschienen mit dem Titel:

EINE ROSE FÜR LIPPSTADT: EIN KULTURSALON NACH HISTORISCHEM VORBILD
Kultur steht (im Moment?!) in Lippstadt hoch im Kurs, fand doch im letzten Jahr die Kulturentwicklungsplanung (KEP) statt. Chancen und Schwächen wurden analysiert und 5 Künstler und Kulturschaffende wurden eingeladen, ihre Vision vom kulturell aufgeblühten Lippstadt vorzustellen. Auch ich durfte meinen Blick in die Zukunft in einem Impulsreferat präsentieren.
A rose is a rose is a roseSacred Emily, Gertrude Stein
Schnell war klar: Ich wünsche mir für Lippstadt einen Kultursalon nach historischem Vorbild: Der Salon der Gertrude Stein in Paris war vor 100 Jahren der Treffpunkt für Künstler. Die noch unbekannten Maler der Avantgarde – Pablo Picasso und Henri Matisse, um nur zwei Beispiele zu nennen – später auch Autoren der Moderne wie Scott F. Fitzgerald und Ernest Hemingway. Doch was taten sie in Gertrude Steins Salon? Sie unterhielten sich, sie lernten sich kennen, sie tauschten sich aus, sie förderten und kritisierten sich, sie unterstützten sich. Zugegeben, Lippstadt ist nicht Paris, und doch gilt für hiesige Künstler und Kulturschaffende dasselbe wie für die Freunde Gertrude Steins: Der Kontakt zueinander ist von großer – beinahe alles entscheidender – Bedeutung, um Kunst und Kultur nach vorne zu bringen.
Kultursalon-Premiere am 9. April 2014 – 19 Uhr
Der Lippstädter Spaßverein ist Gastgeber des ersten Lippstädter Kultursalon. Diese Premiere freut mich sehr und zeigt, dass zumindest „mein“ Kultursalon auf dem richtigen Weg ist. Viele kulturelle Ziele der KEP-Konferenzen warten noch auf ihre Umsetzung, einige sind bereits als „Aufträge an die Verwaltung“ ihre – hoffentlich nicht zu lange – Reise angetreten. Nun heißt es: abwarten …
Diese „Warteschleife“ bietet sich an, um einen Schritt zurückzutreten und sich in Erinnerung zu rufen, warum Kultur überhaupt so wichtig ist. Warum betreiben wir diesen ganzen Aufwand der Kulturförderung? Ganz einfach: Es geht schlicht und ergreifend um alles! Es geht um uns und um unsere Identität. Unsere Kultur beantwortet (zumindest teilweise) die Fragen: Wer sind wir? Wer bin ich?
Kultur ist der Gegenpart zur Natur. Alles was wir Menschen machen, was wir gestalten, was wir prägen, unsere Sprache und unsere Schrift sind unsere Kultur. Vernachlässigen wir die Kultur, vernachlässigen wir uns!
Soester Pumpernickel und ‚n Paddaboana zun anschneiden“
Ein prägnantes Beispiel: Unsere Ess-Kultur. Was essen wir? Wie essen wir? Westfalen mögen gerne (Soester) Pumpernickel. Der Paderborner nimmt gerne „‘n Paddaboana zun anschneiden“. Wir alle beißen von unserer Stulle ab oder essen mit Messer und Gabel. Andere Kulturkreise reißen oder brechen ihr Brot in Stücke und bevorzugen ohnehin ganz andere Grundnahrungsmittel. Unsere kulturellen Gepflogenheiten stiften unsere Identität.
Ebenso prägend wie die (Brot-)Ess-Kultur ist die Erinnerungskultur. Sie konstituiert unser kollektives Gedächtnis: Vergangenheit ist die Vorgeschichte der Gegenwart. Etwas provokant könnte ich als Autorin behaupten: Wir leben in einem Vorsetzungsroman! Zugegeben, so ist es nun auch wieder nicht. Erfreulicherweise vermitteln aber historische Romane neben Geschichtsbildern, Normen und Werten auch kollektive Identitäten – wir Westfalen, wir Soester, wir Paderborner, wir Lippstädter, … Und tatsächlich: Als ich meinen historischen Roman „Der Kaufmann von Lippstadt“ geschrieben habe, hat sich etwas in mir verändert. Jetzt, wo ich so viel über die Geschichte Lippstadts erfahren habe (und noch mehr erfahren werde!), fühle ich mich als Lippstädterin, obwohl ich erst vor 14 Jahren von Paderborn hierherzog. Mein „Paddaboana zun anschneiden“ kaufe ich nur noch im Rahmen meiner ganz persönlichen Erinnerungskultur. Lieber esse ich Brot aus Lippstädter Backstuben auf meinem Weg zum Lippstädter Kultursalon. Ich freu mich, dabei zu sein, wenn Kunst und Kultur auch in Zukunft das Leben in Lippstadt lebenswerter machen, denn: Wir leben nicht nur vom Brot allein!

 

Herzliche Grüße aus Lippstadt-Cappel
Rita Maria Fust

*

Lesen Sie doch auch, wie alles begann und die Presse-Artikel.
Verfolgen Sie die Termine des Kultursalons. – Sie sind herzlich willkommen.

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